Öffentlichkeitsarbeit
Presseveröffentlichungen
Lausitzer Rundschau vom 09.02.04:
Männer für Familie und Erziehung begeistern
Väterinitiative will in Cottbus auch Wege in Frauenberufe eröffnen
COTTBUS. Mit Angeboten zur Konfliktberatung und berufliche Neuorientierung will die Berlin-Brandenburger Väterinitiative Männern den Rücken stärken. Der Verein sieht sich dabei weniger als Verbündeter in Streitfällen sondern als Orientierungshelfer bei familiären und beruflichen Problemen. Er eröffnet Männern einen Neuanfang in Erziehungsberufen.
„Kinder brauchen Vater und Mutter, das ist unter Experten unumstritten”, meint Ursula Hempel. Die Familiensoziologin gehört zu den Gründern der Initiative, die seit 1996 auch in Cottbus wirkt. In der Praxis sieht die Rolle der Väter oft anders aus. Viele nehmen sich wegen der Arbeit kaum Zeit für Familie und Kinder. „Sich nur über die Arbeit zu definieren, birgt Gefahren. Ist der Job weg, fallen diese Männer in ein tiefes schwarzes Loch, wissen mit sich selbst nichts anzufangen, darunter leidet die Familie", resümiert die Soziologin Erfahrungen.
Der Verein hilft Cottbuser Betroffenen, über ehrenamtliche Arbeit wieder das Gefühl zu erleben, gebraucht zu werden. „Zudem erleben Kinder damit im Alltag Männer als positive Vorbilder, müssen sie nicht im Fernsehen suchen”, betont Ursula Hempel. Seit einiger Zeit laufende Bemühungen, Väter und Großväter für Bastelaktionen, Naturerlebnisse und andere Aktivitäten zu gewinnen, werden seit kurzem in einem von der EU-geförderten Vorhaben gebündelt. Als Mikroprojekt mit begrenzten Zuschuss soll es Hilfe zur Selbsthilfe mit einem Schwerpunkt in Sachsendorf leisten.
„Zehn bis 15 Männer lassen sich monatlich am Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr in der Schopenhauer-Straße 9 beraten oder rufen unter 0355 3800380 an", sagte Joachim Pflug. „Bei neuen Gesetzen oder Urteilen in Familienrecht steigt die Zahl stark an."
Väter suchen Rat in Unterhaltsfragen und Umgangsregelungen, bereiten sich auf Scheidungsprozesse vor. Andere wollen über den Verein und das Familiengericht Regelungen für begleiteten Umgang erreichen, um trotz Scheidung eine Familie zu bleiben. Manchmal stellen die neuen Frauen den Kontakt zum Verein her, wenn sie merken, wie der Partner unter der Trennung von der alten Familie leidet.
Über ein seit einem halben Jahr in Cottbus laufendes Projekt brachte Joachim Pflug Männer als Erziehungshelfer in Kitas unter. „14 zuvor Arbeitslose basteln in kleinen Werkstätten mit den Kindern, spielen mit ihnen, unterstützen die Gruppen." Das Echo sei sehr positiv, Probleme gebe es kaum. „Wenn die Männer wegen der einwöchigen Schulungen fehlen werden sie von den Kindern wie von den Erzieherinnen vermisst", meint der Projektbetreuer. Er hofft, dass einige Teilnehmer nach dem Projekt eine pädagogische Ausbildung starten. „Einige Kita-Leiterinnen haben signalisiert, dass sie die Männer einstellen würden."
Ronald Ufer
Lausitzer Rundschau vom 30.03.04:
Junge Männer in Kitas bei Kindern und Eltern beliebt
Jugendsonderprogramm von Väterinitiative und Arbeitsamt
Dass Männer in Kindertagesstätten arbeiten ist ungewöhnlich. „In ganz Brandenburg gibt es nur fünf ausgebildete Erzieher“, sagt Tristan Malig. Der 23-Jährige ist einer von 14 Erziehungshelfern, die über die Berlin-Brandenburger Väterinitiative Arbeit und Ausbildung in Cottbuser Kindertagesstätten gefunden haben.
VON ULRIKE ELSNER
Seit August 2003 arbeiten Tristan Malig und Christian Zeisig (24) in der Familien-Kita an den Sachsendorfer Wiesen. Beide waren arbeitslos und auf der Suche nach einem beruflichen Neuanfang. Christian Zeisig konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Schweißer arbeiten. Sein Mitstreiter hatte nach Abitur, Wehrdienst und einjähriger Tätigkeit im Medienbereich doch keinen Ausbildungsplatz gefunden.
Vieles hat sich für beide in den vergangenen Monaten geändert. „Da prallen Welten aufeinander“, sagt Zeisig. „Als ich noch auf dem Bau war, dachte ich, Kindergärtnerinnen haben nichts auszustehen. Heute weiß ich: „Das ist harte Arbeit.“
Drei Wochen Praxis, eine Woche Theorie - diesem Rhythmus sind die 14 jungen Männer unterworfen. Das Niveau der Qualifizierung sei erstklassig, betont Joachim Pflug von der Väterinitiative, der als Sozialpädagogischer Betreuer für das Projekt verantwortlich zeichnet.
In der Kita sind die jungen Männer mittlerweile unentbehrlich geworden. „Am Anfang gab's schon Vorurteile“, verrät Malig. Aber das habe sich schnell geändert. Sein Kollege erinnert sich gern an das Gefühl, „als die Eltern zum ersten, Mal auf mich zugekommen sind und um Rat gefragt haben. Da wusste ich: Mensch, hier wirst du gebraucht.“
Sarah (5) und Houria (4) schätzen an Christian vor allem, dass man mit ihm ;,rumalbern“ kann. Aber auch beim „Bücherangucken, Kettenbasteln und Häuserbauen“ ist er ein prima Partner. Und die Eltern? „Für die Kinder gibt es nur Vorteile“, meint Kathrin Karstan. „Christian hat ganz andere Spielideen als die Erzieherinnen, und er kann wunderbar trösten.“ Besonders Kinder, die ohne Vater aufwachsen müssten, könnten durch die Kita-Männer soziale Erfahrungen sammeln, die ihnen sonst verwehrt blieben. Auch Erzieherin Gudrun Nowka sieht in ihren männlichen Kollegen „eine gute Ergänzung“.
Joachim Pflug registriert dringenden Nachholbedarf in Sachen Gleichberechtigung in Deutschland. Schließlich gehe es nicht nur darum, dass Frauen sich typische Männerberufe erschließen. Auch der umgekehrte Weg bedeute Bereicherung für beide Geschlechter. Christian Zeisig: „Wie in Skandinavien oder auch 'in Belgien Frauen mit Männern zusammenarbeiten, dieses gegenseitige Geben und Nehmen, so müsste es auch in Deutschland sein.“ Für Joachim Pflug gilt der Versuch, junge Männer in Cottbuser Kitas zu bringen, bereits vier Monate vor seinem Abschluss als geglückt. „Wir dachten am Anfang, wenn fünf Teilnehmer nach dem Jahr weitermachen wollen, ist das ein Erfolg. Jetzt wollen alle 14 weitermachen. Das ist doch das beste Lob für die Qualität das Lehrgangs.“
Noch ist nicht geklärt, wie es nach dem Jahr weitergehen soll. Doch Christian und Tobias bauen auf ein Versprechen von Bildungsminister Reiche. „Was so gut angefangen hat, muss einfach zu einem guten Ende geführt werden“, sagt Tristan Malig.
HINTERGRUND
Väterinitiative
Das Jugendsonderprogramm der Berlin-Brandenburger-Väterinitiative will männlichen Arbeitslosen unter 25 Jahren neue Berufsfelder nahebringen, sie für eine berufliche Neuorientierung motivieren und ihre sozialen Kompetenzen fördern.
Zu erreichen ist die Väterinitiative in der Dostojewskistraße 10, 03050 Cottbus, Telefon (0355) 5 29 12 15
Lausitzer Rundschau vom 18.08.04
Männer suchen in Kitas Berufs-Chancen
Orientierungs-Projekt mit positivem Ergebnis
Seit Jahren wird versucht, Mädchen technische und andere „Männerberufe" schmackhaft zu machen - zum Beispiel durch Aktionen wie den „Girls' Day". Jetzt schloss in Cottbus ein einjähriges Projekt, mit der Zielsetzung, vor dem Hintergrund hoher Jugendarbeitslosigkeit ein Orientierungs-Angebot für arbeitslose junge Männer in sozialen Berufsfeldern zu schaffen, in denen überwiegend Frauen tätig sind. 14 junge Männer arbeiteten in zehn Cottbuser Kindereinrichtungen. Alle Beteiligten kommen zu einer positiven Schlussbewertung des Experiments. Das ändert nichts daran, dass es mangels freier Stellen zu keinem einzigen festen Beschäftigungsverhältnis kam.
VON KLAUS ALSCHNER
Ziel des von dem Verein Berlin-Brandenburger Väterinitiative in Zusammenarbeit mit der Cottbuser Agentur für Arbeit umgesetzten Projekts (die RUNDSCHAU berichtete) war es, herauszufinden, „ob bei Männern überhaupt eine entsprechende Motivation vorhanden ist, in bislang weibliche Domänen hineinzuschnuppern." Nach zwölf Monaten lautet das Fazit von Jürgen Schlicker, dem Vorsitzenden des Vereins Väterinitiative: „Die Ergebnisse und Wirkungen machen Mut, Jungen und junge Männer zu bestärken, soziale Berufe und insbesondere den Erzieherberuf zu ergreifen."
Auslöser für das Projekt war die mangelnde berufliche Perspektive besonders für männliche Jugendliche in Südbrandenburg - der Anteil der Männer an der Jugendarbeitslosigkeit wird auf 61 Prozent beziffert. Teilnehmer waren 14 Arbeitslose zwischen 20 und 25 Jahren aus Cottbus und Umgebung, mehrheitlich mit Abschlüssen in handwerklichen und Bauberufen. Sie wurden während des einjährigen Projekts unter anderem in Grundlagen und Methoden der Sozialarbeit, Sozialisation im Kindes und Jugendalter, verschiedenen pädagogischen Ansätzen und Anforderungen an Kita-Mitarbeiter geschult.
Obwohl es in einigen Einrichtungen anfangs eine gewisse Skepsis gab, wurde die Präsenz beider Geschlechter im Kita-Alltag von den Leiterinnen der Kindertagesstätten als Bereicherung ihrer Arbeit empfunden, heißt es im Abschlussbericht. Die Kinder hätten ausnahmslos positiv reagiert. In der Bilanz heißt es: „Es deuten sich zaghafte Veränderungen des öffentlichen Bewusstseins in Bezug auf die Zuschreibung weiblicher und männlicher Rollen bei der Kinderbetreuung an". Die 14 jungen Männer äußerten zum Abschluss große Anerkennung für den Beruf einer Erzieherin. Der Ergebnisbericht konstatiert: „Für die beteiligten jungen Männer haben sich im Bezug auf ihre persönliche Entwicklung und Situation völlig neue Perspektiven eröffnet. Sie wären ohne das Angebot, an dieser Arbeitsbeschaffungsmaßnahme teilzunehmen, kaum oder gar nicht darauf gekommen, sich in sozialen Berufen zu orientieren oder gar Erzieher zu werden."
Als Problem erwies sich zunächst die Perspektivlosigkeit nach Abschluss des Projekts in Cottbus. Zwar hätten der allgemeine Zuspruch und die Anerkennung die Teilnehmer „bestärkt und aufgewertet". Die meisten fassten den Entschluss, sich für eine Erzieherausbildung am Cottbuser Oberstufenzentrum zu bewerben. Noch zu Beginn des Monats August hatte sich für keinen einzigen die Möglichkeit einer Anschlussbeschäftigung oder Ausbildung ergeben. Bei individuellen Beratungsgesprächen bei der Agentur für Arbeit wurde den jungen Männern gesagt, dass es bereits genug arbeitslose Erzieherinnen gäbe. '
Gestern konnte Jürgen Schlicker, Vorsitzender der Väterinitiative, eine erfreulichere Bilanz ziehen: Inzwischen haben vier Teilnehmer an der Fachhochschule Eisenhüttenstadt eine Erzieher-Ausbildung begonnen. Zwei weitere Teilnehmer des Projekts starten eine Ausbildung zum Altenpfleger. Einer hat ein Studium im Sozialbereich aufgenommen. Die Hälfte der 14 Teilnehmer ist somit auf dem Weg in „Frauenberufe". Jürgen Schlicker: „Darüber sind wir froh, und auch ein ganz klein wenig stolz".
HINTERGRUND
Väterinitiative
Die Berlin-Brandenburger Väterinitiative e. V., seit 1998 auch in Cottbus präsent, widmete sich zu Beginn vorrangig der Vater-Kind-Problematik bei Trennung und Scheidung. Schnell wurde dabei deutlich, dass es auf „das Aufbrechen traditioneller Geschlechterrollen und Einstellungen" ankomme, heißt es in einer Selbstbeschreibung des Vereins. Seit 1999 liegt ein Schwerpunkt zur Umsetzung dieses Anliegens bei den Projekten „Männer in Kinder-Einrichtungen".
weitere
Veröffentlichungen
Die
Berlin-Brandenburger Väterinitiative e.V. bringt in vielfältiger
Form ihre Anliegen an die Öffentlichkeit. In erster Linie geht
es um die Sensibilisierung für die Eltern-Kind-Thematik
bei Trennung und Scheidung sowie um Aufklärung und Information
über die Väterproblematik.
Dabei stehen
sozial-psychologische Probleme von Betroffenen, insbesondere bei der
Wahrnehmung der Vaterrolle, im Mittelpunkt.
Seit seinem Bestehen
hat der Verein dieses über vielfältige Aktivitäten
umgesetzt, was seinen Niederschlag in zahlreichen
Presseveröffentlichungen und bei der Mitwirkung in Radio- und
Fernsehsendungen, besonders im Raum Berlin-Brandenburg gefunden hat.
Exemplarisch seien genannt:
Fernsehbeitrag
im ORB – April 1996 – Frauenmagazin “Ungeschminkt”
Radiobeitrag
bei Antenne Brandenburg – November 1997
Beiträge in einigen Berliner Tageszeitungen wie Berliner Zeitung, taz, Morgenpost, Tagesspiegel, ND sowie besonders 1998/99 in der Cottbuser Tageszeitung Lausitzer Rundschau. Gerade Letzteres hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Verein mit seiner Arbeit in der Region Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis bekannt geworden ist.
Darüber hinaus sind im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit folgende weitere Aktivitäten für den Verein von Bedeutung:
Präsenz
bei verschiedenen Veranstaltungen anderer Träger der
Jugendhilfe zwecks Vorstellung der Vereinstätigkeit - Teilnahme
an Kiezfesten, an Kinder- und Schulfesten (z.B. am Weltkindertag in
Berlin), bei Sozialbörsen u.ä. mit einem Info- und/oder
Beschäftigungsstand
Vorstellung der Arbeitsergebnisse und –erfahrungen auf Fachveranstaltungen, wie z.B. im August 98 bei einer Anhörung der CDU-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses zur Umsetzung der Kindschaftsrechtsreform, bei Arbeitskreis- und Jugendhilfeausschlusssitzungen oder bei der Zusammenarbeit mit anderen freien Trägern und mit Jugendämtern.
Durch diese Palette an “Präsenz” des Vereins wird ein breiter Kreis von Familien, Interessierten und Fachpersonen erreicht, um auf die Bedeutung gemeinsamer elterlicher Verantwortung für die Kinder aufmerksam zu machen und vor allem Väter zu motivieren, diese Verantwortung auch wahrzunehmen.